Spam-Anrufe wegschnappen, bevor das Telefon klingelt – das konnte der PhoneBlock-Dongle bisher als IP-Telefon hinter einer Fritz!Box. Mit dem neuesten Release fällt diese Voraussetzung: Der Dongle meldet sich jetzt direkt beim Telekom-Anschluss an. Keine Fritz!Box, kein zweiter Router, kein Bastel-Setup dazwischen.
Warum das ein großer Schritt ist
Der PhoneBlock-Dongle ist ein kleiner ESP32-WLAN-Stick, der eingehende Anrufe gegen die PhoneBlock-Spam-Datenbank prüft und erkannte Spammer annimmt und abwimmelt, bevor die echten Telefone im Haus überhaupt klingeln (hier ist das näher erklärt). Bisher brauchte er dafür einen Router mit eigenem internen SIP-Registrar – in der Praxis fast immer eine Fritz!Box. Der Dongle hängte sich dort wie ein ganz normales IP-Telefon ein.
Das ist komfortabel, aber es schließt all jene aus, die keine Fritz!Box haben: viele Telekom-Kundinnen und -Kunden betreiben einen Speedport, und ältere Speedport-Modelle bringen schlicht keinen internen SIP-Server mit. Der übliche Rat lautete dann: „Häng dir halt eine Fritz!Box dahinter.“ Genau dieses Hindernis ist jetzt weg.
Mit dem aktuellen Release registriert sich der Dongle direkt bei den SIP-Servern der Telekom (MagentaZuhause) – so, wie es sonst nur die Router selbst tun. Der Dongle wird damit vom „Fritz!Box-Zubehör“ zum eigenständigen Gerät, das an jedem Telekom-Anschluss funktioniert.
Warum das überraschend knifflig war
„Einfach direkt registrieren“ klingt simpel, war in der Praxis aber eine Kette von Spezialfällen, die wir einen nach dem anderen aufklären mussten. Ein paar Highlights aus der Werkstatt:
- Erst öffnete niemand die Tür. Anfangs meldete sich der Dongle bei der Telekom an – und bekam gar keine Antwort, nicht einmal ein „Nein“. Der Grund war fast banal: Beim Anklopfen muss man den richtigen Namen nennen, so wie man an einer großen Pforte sagt, zu wem man möchte. Der Dongle nannte zuerst den falschen Namen und wurde deshalb einfach überhört. Seit er den richtigen angibt (
tel.t-online.de), lässt die Telekom ihn herein. - Anonym anmelden, nur mit Rufnummer. Telekom registriert ein IP-Telefon ohne eigenes SIP-Passwort (anonymer Account). Der Dongle wertete ein leeres Passwort aber als „Konfiguration unvollständig“ und ließ die Anmeldung gleich ganz aus. Jetzt genügen Anschluss-Daten und Rufnummer – das Passwortfeld entfällt im Telekom-Assistenten.
- Den richtigen Server überhaupt finden. Telekom veröffentlicht ihre SIP-Adresse nur als sogenannten SRV-Eintrag und besteht auf TLS – ein fest verdrahteter Standard-Port führt ins Leere. Das Anbieter-Preset fragt jetzt korrekt nach dem SRV-Eintrag und lernt Host und Port selbst.
- Eine dauerhaft offene Verbindung statt loser Pakete. Hinter dem heimischen Router ist der Transport entscheidend: Reines UDP registriert sich zwar, aber eingehende Anrufe finden durchs NAT nicht mehr zum Gerät zurück. Die stehende TLS-Verbindung dagegen bleibt offen, sodass die Telekom eingehende Anrufe einfach durch sie hindurchschiebt – genau deshalb ist TLS hier der richtige Weg, nicht bloß der sicherere.
- Eine stabile Geräte-Identität. Ohne eine eindeutige, dauerhafte Kennung sammelte der Server bei jedem Neustart eine weitere „Registrierung“ desselben Geräts an, bis die Leitung verstopfte. Der Dongle vergibt sich jetzt eine stabile, pro Gerät einmalige ID und teilt sie dem Server mit – die Alt-Registrierungen räumen sich von selbst auf.
Jeder einzelne Punkt war ein kleiner Stolperstein – zusammengenommen ergeben sie den Unterschied zwischen „registriert sich scheinbar, nimmt aber nie einen Anruf an“ und „läuft einfach“.
Bonus: auch ganz ohne stehende Verbindung – per UDP mit Portfreigabe
Wer lieber klassisch über UDP direkt beim Provider registriert, hatte bisher ein Problem: Der Dongle kennt hinter dem Router nur seine interne Adresse und trägt die in die SIP-Nachrichten ein – von außen nutzlos. Jetzt liest er die nach außen sichtbare Adresse aus der Antwort des Providers aus und annonciert diese stattdessen, auch für den Sprachkanal. Das wird bei jeder Anmeldung neu gelernt und deckt damit sogar die täglich wechselnde IP ab – ohne Zusatzdienste wie STUN. Zusammen mit einer Portfreigabe im Router funktioniert so auch der UDP-Direktweg.
Was das für dich bedeutet
- Du hast einen Telekom-Anschluss ohne Fritz!Box? Der Dongle ist jetzt eine echte Option – Nur Deine Rufnummer im Setup-Wizard eingeben und der Dongle meldet sich als ein neues Telefon an.
- Du hast eine Fritz!Box? Für dich ändert sich nichts: Das bequeme Auto-Provisioning per Knopfdruck bleibt der empfohlene Weg.
Gut zu wissen
PhoneBlock ist Open Source und wir versprechen nichts, was wir nicht halten können. Ein paar Hinweise:
- Telekom MagentaZuhause registriert nur aus dem Telekom-Netz. Für den Dongle bei dir zu Hause ist das kein Problem – von unterwegs (Hotel-WLAN, Ausland) geht das nicht – braucht man ja aber auch nicht.
- Provider-Firmware ändert sich. Was heute funktioniert, kann ein Update morgen verschieben – wir halten die Doku aktuell und freuen uns über Rückmeldungen aus der Community.
- Andere Anbieter (Vodafone Kabel, o2 u. a.) geben teils gar keine SIP-Zugangsdaten heraus. Dort bleibt nur der Weg über eine Fritz!Box (oder wenige andere Router-Modelle – siehe PROVIDERS und ROUTERS).
Mitmachen
PhoneBlock lebt von der Community. Wenn du den Dongle an deinem Telekom-Anschluss ausprobierst, erzähl uns, wie es lief – jede Rückmeldung macht das nächste Gerät robuster. Code, Doku und Diskussion findest du auf GitHub.
Spam-Anrufer haben so ein Telefon weniger, an dem sie durchkommen. 🎉